Dieser Tage ging Margali die Unterlagen durch, die sie über Delbras gesammelt hatte. Die ersten Aufzeichnungen hatte sie überarbeitet, und so legte sie sie in der Magischen Truhe aus, für alle, die mehr über Seldarias Mythen erfahren wollten...

 ((ein kleines Dankeschön an Monoceros, an Parat für die technische Unterstützung, und alle die mitgemacht haben! =) ))

 

 

 

 

 

Prolog

Still und leise war der Einzug der blonden Bardin Doireann Tesni nach Fürstenborn. Zunächst begannen lediglich die Augen der Schankmagd Lola im “Vollen Humpen“ zu leuchten, als sie die Dame wieder erkannte. Noch am gleichen Abend, direkt nach ihrer Ankunft und nur kurzer Pause, gesellte sich Doireann in Begleitung eines mürrischen Leibwächters namens Cian in den Biergarten, und zu Lolas Verzückung konnten die Anwesenden Zeugen ihrer Kunst werden, den sanften, und teils melancholischen oder finsteren Klängen der Harfe, die sie zu ihren Liedern spielte.

Die Lieder.. Geschichten erzählten sie. Geschichten aus den längst vergangenen und vergessenen Tagen Seldarias. Und nur wenige konnten die Versteckte Botschaft hören… doch sie folgten der Aufforderung…

 

 

 

Erste Aufzeichnung – Vor der Abreise

 

Miranda hat Recht behalten. Die Bardin kam tatsächlich zum See. Und sie erzählte… die sonderbare Geschichte des Dorfes Delbras, tief in den dunklen Wäldern Seldarias.
Vor langer Zeit soll die Siedlung entstanden sein, damals, als Born gerade gegründet war. Warum die 200 Seelen die Stelle mitten im Wald wählten… das bleibt wohl ungewiss. Und ebenso ungewiss ist, warum und wie die Bewohner des Dorfes damals einfach verschwanden. Ein magischer Unfall? Ein Fluch? Göttliches Wirken?

Die Zeit brachte den Zerfall. Zweige, Ranken und Blattwerk sollten die Ruinen des Dorfes überdecken, und so geriet auch seine Geschichte immer weiter in Vergessenheit… zumindest war dies so… es sollte so sein… bis zum heutigen Tag.

Die Bardin wusste anderes zu berichten. Aus dem Nichts, so sagt sie, sei das Dorf wieder erschienen. Dort, wo es einst erbaut wurde. Und mit den Häusern und Höfen tauchten auch Menschen in dem Dorf auf… rund 200 Seelen…

Es scheint sie sorgt sich darum, um den Wald… oder ist es nur Neugier, die sie treibt? Sie war dort, sie sah das Dorf mit eigenen Augen, weiß von Lückenhafter Erinnerung in der Nähe der Häuser zu berichten, von den scheinbar immerzu fröhlichen Menschen dort, in dessen Mitte es nur zwei zu geben scheint, welche die anderen meiden…
Sie will wieder dorthin aufbrechen, das Geheimnis um Delbras lüften.
Und sie sucht Mitreisende. Wir haben ihr unsere Zustimmung gegeben. Dschadir fackelte nicht lange, Miranda schien es ein Bedürfnis, und auch wenn ich dem ganzen skeptisch gegenüber stehe, so vermag ich nicht meine Neugier zu verbergen.

Nachtrag:

Madam Monoe scheint sich uns anzuschließen, nachdem sie uns im Biergarten über die Reise reden hörte. Ich bin gespannt, ob sie ihr Teeservice mitnimmt, zutrauen würde ich es ihr. Auch Aurelian will sich uns anschließen.

 

 

Am zweiten Abend der Reise

 

Gestern in den frühen Morgenstunden, brachen wir auf zu unserer viertägige Reise in Teile Seldarias, die wir noch nie gesehen haben. Fräulein Fina von Gareth hat sich uns angeschlossen. Noch schläfrig begannen wir unseren Marsch. Kaum hinter der Brücke von Weilersbach, stellten sich uns Gnolle in den Weg, doch sie sollten uns nicht daran hindern schnell weiter zu kommen. Beschwingt und voller Heiterkeit war der erste Teil des Weges, durch die lichten Wälder, die Miranda und mir alles andere als fremd sind. Auch die drückende, schwüle Hitze des Tages schien die Laune nicht mindern zu können.

Die Temperaturen waren leichter zu ertragen, umso dichter das Blattwerk über unseren Köpfen wurde, und umso unberührter und älter der Wald. Die Bardin, so zierlich sie auch wirkt, ein strammes Tempo gibt sie vor, und so führte uns der Weg bald in Gefilde, die uns unbekannt sind.

 

Wer trödelt denn da?

 

Der erste Tag der Reise verlief ohne große Zwischenfälle, und so schlugen wir des Nachts unser Lager auf, müde von der Wanderung, und wohl teils mit schmerzenden Füssen. Auch ich bin solche langen, raschen Märsche nicht mehr gewohnt, und so fiel der Aufbruch am nächsten Morgen schwer. Wieder schien die Sonne mit voller Kraft, auch wenn sie den Waldboden nicht überall erreichte, so sehnten wir uns wohl alle schnell nach einem kühlen Bad… und ein paar Stunden mehr Schlaf. Doch wir können es uns nicht leisten zu trödeln, und so trugen uns unsere Füsse weiter ins Unbekannte, das uns erwarten sollte.

Erst am Abend gönnten wir uns eine längere Pause am Ufer des Flusses, füllten unsere Trinkschläuche mit dem trüben, aber erfrischenden Nass, und fanden die Zeit die Füsse ins Wasser baumeln zu lassen.

Hier sitze ich jetzt auch, und schreibe diese Zeilen, ein paar Hundert Meter entfernt von unserer Lagerstatt. Die anderen schlafen schon, oder nutzen den Abend um sich ebenfalls den Schweiß des Tages von der Haut zu spülen. Und ich bin froh meine Kleider waschen und ein Bad nehmen zu können…Wie hält es Monoe nur unter all den Klamotten aus? Oder Aurelian in seiner Rüstung?

 

Ein Königreich für ein Bad!

 

Unser Lager… Ja, die Glieder fühlten sich schwer an wie Blei, und keiner von uns schien erfreut diesen Ort so bald schon wieder zu verlassen… doch Doireann versteht sich darauf unsere Neugier zu wecken, und so folgten wir ihr – nur diese paar hundert Meter, und uns sollte sich ein Anblick bieten, den ich wohl nie wieder vergessen werde.

Einen Baum, so sagte die Bardin, wolle sie uns zeigen. Einen Baum wie wir ihn nie gesehen hätten. Und so schweiften unsere Blicke umher, von Baum zu Baum… und was wir dann erblicken sollten, sollte uns in Staunen versetzen. Wahrhaftig ein Baum, so mächtig, so riesig, dass wir ihn in der Ferne fast für einen Berg gehalten hätten! Lilmenya hatte mir davon erzählt… Bäume so riesig, dass Elfen in ihnen lebten, und nie den Boden sahen, der zu weit unter ihnen lag, nie den Himmel, auf den das mächtige Blattwerk die Sicht versperrte… Keine wundersamen Geschichten mehr, jetzt weiß ich, dass es diese Bäume gibt.

Doch dieser Baum wird kein Heim im Himmel mehr stellen. Dieser Baum, mächtiger als die Bäume im Steineichenwald, scheint schon vor langer, langer Zeit sein Leben ausgehaucht zu haben. Nur der Stumpf ist geblieben, wenngleich noch immer majestätisch. Es braucht nicht die Seele eines Elfen, um zu spüren, dass der Ort heilig ist. Und so führten uns unsere Schritte an die Wurzeln, zu dem Treffen mit den Kindern des Waldes, von jenem Doireann berichtet hatte.

 

Baum? Baum!

 

Nach nur wenigen weiteren Metern betraten wir die Lichtung am Fuße des Baumes, wo sie uns bereits erwarteten, an einem Altar, der mir unbekannten Göttern geweiht ist, und von dem ein magisches Leuchten ausgeht. All ihre Namen kenne ich nicht, oder konnte sie mir nicht merken. Die elfische Sprache wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Wohl gemerkt aber, habe ich mir Kethellon, der die meiste Zeit das Wort führte. Er scheint sehr vertraut mit Doireann.

Gastfreundlich sind sie, die Kinder des Waldes hier draußen. Zumindest boten sie uns an, unser Lager an ihrem Altar aufzuschlagen, und die Nacht über uns zu wachen. Die meisten blieben still, oder flüsterten sich Dinge in ihrer Sprache zu. Und die meisten wirken auch wie die Elfen Faerûns die ich kenne… sieht man mal ab vom einäugigen Koehtas, einem Elf, wie ich ihn zuvor nie gesehen habe. Grobschlächtiger scheint er, von bulliger Statur, und schaut finster drein. Er spricht unsere Sprache nicht, kann dafür aber umso besser knurren und brummen. Ein wenig Angst macht er mir schon.

Nun, noch einmal versuchten wir mehr Informationen zu bekommen, und kamen auch auf die Seherin Eilidh zu sprechen. Ein Name, der bereits vor unserer Abreise fiel, seitens Doireann. Ich habe nie von dieser Eilidh gehört, doch in diesem Teil Seldarias, scheint die Einsiedlerin eine wichtige Person für die Kinder des Waldes zu sein. Sie verschwand. Vor etwa 5 oder 6 Zehntagen, hat man das letzte mal von ihr gehört. Ebenso lange liegt es zurück, dass Delbras wieder auftauchte. Gibt es einen Zusammenhang? Fast hoffe ich es, denn ich muss diese Seherin finden. Man sagte mir, sie weiß von einem Namen zu berichten, den ich in der Vergangenheit schon einmal hörte.

 

Elf… zwölf… nein… sechs Elfen.

 

Viel wissen die Elfen nicht über Delbras zu berichten, sie halten sich fern von diesem Ort, zeigen sich mehr als misstrauisch. Die einzige, die Informationen darüber hat, ist Doireann. So baten wir sie, noch einmal von den beiden Frauen zu berichten, die im Dorf gemieden werden. Die erste eine junge Maid, die Frau des Bürgermeisters Arvid – so heißt er mit Nachnamen – deren Augen von ungewöhnlichem Blau sind, wie der Himmel an einem Sommertag. Die zweite eine Kräuterfrau namens Deirdre. Ein Dorf voller heiterer Menschen, das aber zwei der ihren meidet? Vielleicht eine Spur der man nachgehen sollte. Und warum scheint Doireanns Erinnerung verschwommen, warum vergaß sie so viele ihrer Fragen, als sie schon einmal in Delbras war? Und woher nehmen sie ihre Nahrung, wenn die Dörfler, wie Doireann erzählt, Delbras nicht verlassen können? Das Dorf ist mir unheimlich. Ich hoffe wir werden den Grund unserer Reise nicht vergessen, sobald wir dort sind. Und ich hoffe der Ort wird meiner Gabe nicht schaden…

Doch nun muss ich zum Lager zurück. Der Mond spiegelt sich im Fluss, und es liegen noch zwei Tage des Marsches vor uns. Aber das Bad war Labsal für meine müden Glieder…

 

 

Am vierten Abend der Reise

 

Genieß das Wasser, so lange es fließt

 

Unsere zweite Nacht im Wald verlief alles andere als erholsam… zumindest für mich. Und das ganz abgesehen von Aurelians Geschnarche, das irgendwann am frühen Morgen von Monoe mit einer Haarspange auf seiner Nase unterbunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt war mir schon lange den Schlaf geraubt. Mitten in der Nacht weckte mich ein leises Geräusch, und als ich die Augen aufschlug, sah ich, wie Miranda ihre Sachen packte. Nartel brauche Hilfe, so sagte sie… Natürlich versuchte ich sie abzuhalten, doch dass ich nicht den leisesten Hauch einer Chance hatte, wurde mir klar, als sie ihre Vermutungen um den Grund des Aufbruchs aussprach. Auf göttlicher Mission… wie könnte ich sie da jemals aufhalten? Ich schickte Bummler hinterher… doch sie war zu schnell.

So saß ich den Rest der Nacht am Feuer, und sank nur gelegentlich für einige Momente in den Schlaf. Die Rechnung dafür sollte ich bei dem Marsch am nächsten Tag erhalten, der mir zusehends schwerer fiel, wenngleich ich mit Koehtas im Rücken nicht das Verlangen spürte allzu oft Pause einzulegen. Vorbei an einem alten, prächtigen Grab, mit der dagegen krude wirkenden Gavur “Trachar“ führte unser Weg, weiter durch den tiefen Wald…

Die Pause bekamen wir schließlich an der Flussmündung, an der die Seherin Eilidh das letzte mal gesehen wurde. Natürlich fanden wir keine weiteren Spuren, schließlich ist alles was wir vom Verschwinden der Seherin wissen reine Spekulation und es sind seither mehrere Zehntage vergangen…

Was mir in diesen Momenten mehr Sorge bereitete, war der Hinweis der Elfen darauf, dass dies die letzte Möglichkeit vor Delbras  war,  unsere Trinkschläuche zu füllen. Der letzte Fluss überhaupt, da es in Delbras selbst lediglich einen Brunnen geben sollte. Uns stand also ein ganzer Tag des Marsches in der schwülen, drückenden Sommerhitze bevor… ohne die Aussicht auf fließendes  Wasser. Und es blieben nur ein paar Minuten, uns am Fluss zu erfrischen…

 

Der Abend ist noch lange nicht angebrochen…

 

Unterwegs fiel  uns eine Hütte auf, mitten im Wald... doch die Nacht dort zu verbringen war uns nicht vergönnt. Ein Versammlungsplatz der Tel’Quessir, an dem Menschen und Fremde nicht gern gesehen waren. Aber wir hatten ja auch ein Ziel zu erreichen, uns so wanderten wir weiter bis zur Abenddämmerung. Auch wenn meine Gedanken bei Miranda waren, sank ich in dieser Nacht recht schnell in den Schlaf. Zu anstrengend war der Tag gewesen. Wir setzten die Reise am nächsten Morgen größtenteils in Stille fort, nur hin und wieder wechselte ich ein paar Worte mit Fräulein von Gareth, über unsere ehemalige, gemeinsame Heimat…

Vielleicht war es auch der Wald selbst, der am Ende unserer viertägigen Reise in den Abendstunden unsere Zungen lähmte, denn als wir schon meinten die ersten betriebsamen Geräusche des Dorfes zu hören, da veränderte er seine Natur…

Das Unterholz begann sich zu lichten. Das frische und saftige Grün des Waldes, wich uralt erscheinenden Bäumen, deren dichte Baumkronen nur wenig Zwielicht auf den Boden fallen lassen, so dass kaum ein junger Busch oder Strauch dort wachsen kann. Pilze sprießen dafür umso mehr, und die Luft trägt ein modriges Aroma mit sich. Verwunschen wirkt dieser Ort, unheimliche Geschichten wie die des Farindelwaldes schleichen sich hier in die Gedanken. Das Knarzen alter Mühlenflügel trägt seinen Teil dazu bei, und selbst das betriebsame Hämmern des örtlichen Schmiedes lässt das leicht schaurige Gefühl nicht weichen.

Wie auch der Blick der anderen, wanderte der meinige zu dem Bachlauf, der sich rechts des steinernen Weges  dahin schlängelt. Meiner erster Gedanke war wohl, wie Doireann, Kethellon und seinen elfischen Freunden beim letzten Besuch dieser Bach entgangen sein konnte – denn ich hatte ihn ja extra danach gefragt - bis ich ihre fassungslosen Gesichter sah. In was sind wir hier nur geraten, das die Natur selbst zu beherrschen und nach eigenem Willen zu formen scheint?

Wir beschlossen zunächst ein kleines Lager außerhalb des Dorfes aufzuschlagen. Einen Teil unserer Sachen versteckten wir sorgfältig, und Bummler blieb bei Fräulein Gareth im Lager. Wir übrigen machten uns auf Delbras endlich mit eigenen Augen zu sehen…

 

Der erste Kontakt

 

Die Straße, die immer deutlicher unter unseren Füssen geworden war, wand sich einen kleinen Hang hinauf, vorbei an eisernen Zäunen. Nach nur wenigen Schritten erreichten wir einen kleinen Platz – der Platz auf dem der Brunnen steht, von dem Kethellon berichtete. Und dort trafen wir auch auf die ersten Bewohner. Freundliche Menschen, fürwahr, soviel steht fest. Sie scheinen nicht zu wissen, dass sie längst Teil fast vergessener Geschichte sein sollten – und wir werden uns hüten es ihnen zu sagen.

Redselig sind sie. Und alle scheint vor allem eine Frage zu interessieren: wohin unser Weg führt. Schon bald sollten wir Namen von Orten erfahren, von denen wir nie gehört haben. Längst versunken in der Geschichte. Madam Monoe gab vor, wir seien auf dem Weg zu einer Zwergenbinge, und die Dörfler scheinen damit sogleich den Namen “Sarelon“ in Verbindung zu bringen, nordöstlich von Delbras gelegen.

Ein wahres Wunderland für die Dame, ist doch auch der Drachenkult hier alles andere als unbekannt… “Dem Drachen zum Gruße“ ist scheinbar die gebräuchliche Form des Willkommens.

Wir verabschiedeten uns recht bald von den ersten Dörflern, um weiter diesen Ort zu bestaunen, den es gar nicht geben sollte. Und immer mehr Fragen stellten sich uns, Fragen, auf dir wir uns im Gasthaus Antworten erhofften, und so hielten wir auf das große Gebäude am Ende der Straße zu, vor dessen Mauern der Pranger stand… Ein Pranger? In einem angeblich so friedlichem Dorf, das gerade mal an die 200 Seelen zählt? Nun, zumindest sah er unbenutzt aus. Doch die Frage stellt sich, wieso man überhaupt einen braucht!

Auf der anderen Seite des Platzes, scheint sich etwas wie ein Tempel zu befinden. Daneben dichter Nebel, der die Kuppel einer Ruine umfließt. Die Elfen sprachen davon… und von seltsamen Schriftzeichen, die sich in derartigen Ruinen fanden. Viele dieser Kuppelbauten soll es verstreut in den Wäldern geben, uralte Ruinen, deren Geschichte längst in der Dunkelheit der Zeit verschwunden ist. Vielleicht sollten wir sie uns genauer ansehen…

Ich spähte in die Gasse zu meiner Rechten, und mein Blick fiel auf ein großes Anwesen, das fast zu groß erscheint für dieses Dorf. Menschenleer der Platz davor, offenbar ein Ort von dem man sich fern hält. Auch darüber wollten wir mehr erfahren, und so schoben wir uns am Pranger vorbei in die Taverne …

 

Ein glückliches Dorf?

 

Eine Dorfschenke. Weder ungewöhnlich, noch geheimnisvoll, eine in der Art, wie es sie in jedem Ort gibt. Ob hier etwas magisch ist? Es müsste… sollte… aber sobald ich meine Gabe austasten lasse, wirkt alles normal. Vorhin vor dem Dorf, da spürte ich eine Quelle der Magie irgendwo im Ortskern… vielleicht der Magier, Dardan Selterin, von dem uns der freundliche Wirt berichtetet, als ich nach dem Anwesen fragte. Ein nerviger Spinner sei dieser Selterin, der sich in seinem Haus verkriecht. “Bleibt da weg!“ – das waren die Worte des Wirtes, und dennoch scheint der Mann seinen Teil zum täglichen Leben im Dorf beizutragen, und wird akzeptiert. Ja, ganz im Gegensatz zu der jungen Gyneth Arvid. Die Frau des Bürgermeisters scheint wirklich alles andere als beliebt. Zugezogen sei sie vor etwa 8 jahren, eine arrogante Tagediebin, die sich für etwas Besseres hält. Man wisse nicht, wo der Bürgermeister Athelstan Arvid sie aufgegabelt hatte. Überhaupt ist man froh, wenn der Mann die Finger still hält. Nun, zumindest scheinen die blauen Augen dieser Gyneth nichts mit ihrer Unbeliebtheit zu tun zu haben. Immerhin… war der Wirt freundlich zu mir, trotz meiner blauen Augen. Auch scheint man Magie nicht zu fürchten, oder gar Hexerei, denn auf Monoes Seitenhieb, ob diese Gyneth eine Hexe sei, verneinte man nur, und sagte wenn sie eine wäre, könne sie sich nützlich machen.

Ja, dieser erste Abend in Delbras brachte eine Menge an Informationen… und leichtes Erstaunen… über dieses scheinbare Dorfidyll, das gute Essen, und über den regen Handel, welchen der Ort führte - auch mit Eisen, das hier aber stets knapp war, trotz der Zäune die das Dorf umgeben.

Wir gingen später all das, was wir erfahren hatten noch einmal durch, und schmiedeten Pläne. Monoe und Aurelian schlafen in der Taverne, wir anderen sind zu Fräulein von Gareth und Bummler ins Lager zurück.

Noch immer begreife ich nicht wirklich, was hier geschieht. Wird mir das Essen bekommen, und der Met? Dinge, die nicht existieren dürften! Fisch hatte ich, die anderen Eintopf und Braten. Ich hatte nach Pilzen gefragt, und tatsächlich sagte man mir, dass der alte Witold – offenbar der Mann, den wir am Dorfeingang trafen – erst vor drei Tagen welche gesammelt hatte, die aber dank seiner schlechten Augen kaum genießbar sind. Wie ist das möglich, wenn doch keiner der Bürger das Dorf  verlässt? Wir beschlossen am morgigen Tag einen der Dörfler in den Wald hinaus zu begleiten. Bis zu der Grenze dessen, was sich hier ausbreitet – denn offensichtlich tut es das, wenn ich an den Bach denke, der noch vor einigen Zehntagen nicht existierte.

Ich hoffe Mira kommt zurück. Ich mache mir nach wie vor Sorgen. Wenn hier schon solch merkwürdige Dinge geschehen, welche Geheimnisse birgt dieser Wald dann noch?


 

 

Am fünften Abend der Reise

 

Wir haben beschlossen in dieser fünften Nacht alle in der Herberge zu übernachten. Es ist besser sich in diesem Dorf nicht mehr zu trennen, das ist uns inzwischen allen klar. Und so sitze ich hier, und fasse die Ereignisse des Tages im schwachen Schein einer alten Öllampe zusammen… und man mag mir verzeihen, wenn die Schrift ein wenig zittrig erscheint, aber nach allem was wir eben erlebten, fällt es mir schwer eine ruhige Hand zu bewahren. Zum Glück hat mir Milandra ihr Buch mitgegeben, so kann ich nachher ein wenig weiter darin lesen, um mich auf andere Gedanken zu bringen.

An diesem Morgen schien nichts sonderlich auffällig, sieht man davon ab, dass das Dorf bei Tage betrachtet nicht wirklich weniger unheimlich wirkt, als des Nachts. Dennoch, die Menschen kamen wie am Vorabend freundlich auf uns zu, und begrüßten uns höflich. Allen voran der ältere Mann, der sich Witold nennt. Der Wirt warnte ja schon, dass  man die Finger von seinen gesammelten Pilzen lassen solle…aber in diesem Moment schien er mir mit seiner Sammelleidenschaft der perfekte Kandidat unseren Plan in die Tat umzusetzen. Freundlich bot ich ihm meine Hilfe an, und obwohl er nervös schien, und die Leichtigkeit der Menschen hier für einen Moment von ihm fiel, hatte er keine Einwände, und wollte auch sogleich aufbrechen. Allerdings… sollte ich alleine mitkommen. Etwas, das mir nicht schmecken wollte, doch ich bat Madam Monoe uns heimlich zu folgen – auch wenn sie es als perfekten Anlass für mich sah, in die Annalen der Geschichte einzugehen, und meinen Namen in Seldarias Vergangenheit fest zu meißeln. Komische Ideen hat diese Frau manchmal…

 

Grenzen der Vergangenheit

 

Nun, wir brachen also direkt auf.  Der Mann ist wohl einer der Dorfältesten, dementsprechend kamen wir nicht schnell voran…und auch nicht weit. Kaum die Umzäunung des Dorfes verlassen, wirkte er bereits erschöpft, und umso mehr wir uns den unsichtbaren Grenzen dieser sich ausbreitenden Vergangenheit näherten, umso nervöser und angestrengter schien er. Erst war es nur ein leichter Schweißfilm auf der Stirn – und der hatte sicher nichts mit dem Wetter zu tun, es ist deutlich kühler geworden – doch dann…Ich wurde abgelenkt. Magie war dort am wirken. Ein unbestimmtes Gefühl, nicht zu beweisen und nicht zu lokalisieren, aber irgendwas versuchte mich zu beeinflussen.

War es der Mann, der konzentriert schien, als er sich zu den Pilzen kniete, und ich darauf drängte weiter zu gehen? Er wollte schon umdrehen, aber zum Glück entdeckte ich einen riesigen Parasol, der sicher für zwei Mahlzeiten reichen würde… und so folgte er mir etwas widerwillig. Dieser ganze kleine Ausflug… er war schon unheimlich genug, allein mit dem alten Witold, den es gar nicht geben sollte, in diesem verwunschen erscheinenden Wald, und hin und wieder befürchtete ich, er würde plötzlich ein Messer ziehen und es mir in den Rücken rammen. Was ich allerdings sah, als ich über die Schulter spähte, war … bizarr, auch wenn wir ja schon davon ausgegangen waren, dass irgendetwas passieren musste.

Die Gestalt des Mannes begann zu flackern. Erst nur leicht, doch dann löste er sich nach und nach deutlicher auf, und von den Worten die er sprach, erreichten mich nur noch Fetzen. Ich tat als würde ich es nicht merken, und offenbar ging der Plan auf. Ich haderte noch mit mir, ob ich  ihn gänzlich über die Grenzen des Ortes bitten sollte. Was dann wohl geschah? Würde er ganz verschwinden? Oder würde er nur von hier verschwinden, und im Ort wieder auftauchen? Es war mir zu riskant, denn was sollte ich den Bewohnern erzählen, wenn Witold sich wirklich in Luft auflöste, und ich alleine vom Pilze sammeln zurück kehrte? So traten wir schnell den Rückweg an, und ich war froh wieder bei den anderen zu sein…

 

Fremde Runen

 

Der nächste Weg führte uns zu den Ruinen, zu jenem Kuppelbau, der in Trümmern im Nordosten der Stadt lag, und schon zu Zeiten Delbras uralt gewesen muss. Es stellte sich nicht als allzu leicht heraus, den Bau zu untersuchen, trennt uns doch ein nebliger Tümpel von den Säulen der Ruine. Aber Aurelian meldete sich freiwillig durch das trübe, von Blutegeln durchsetze Wasser zu waten. Wir sicherten ihn mit einem Seil, und langsam kämpfte er sich vorwärts, klopfte den Boden auf der Suche nach einer Falltür oder ähnlichem ab – Ergebnislos. Die Bewohner schienen unterdessen unseren Bemühungen keine Beachtung zu schenken. Uns blieb also zunächst nichts, als die Runen an den Säulen abzupausen, für spätere Untersuchungen. Natürlich konnten wir nur einen Bruchteil der Schriftzeichen sichern… aber letztendlich… die Ruinen würden auch in “unserer Zeit“, wie wir sie nun nennen, zu finden sein. Schließlich berichteten die Elfen, dass es viele solcher Ruinen gibt in den Wäldern. Verwunderlich ist einzig und allein, dass Delbras direkt an einer von ihnen erbaut ist...

Ein wenig entmutigend waren diese Ergebnislosen Forschungen, und sie ließen uns einen Moment etwas ratlos zurück. Dann erinnerte ich mich an Deirdre, die Kräuterfrau. Und tatsächlich: wieder stand sie am Brunnen beim Dorfeingang. Unheimlich, dass man die Leute immer wieder an den gleichen Orten antrifft.

Kaum sprachen wir sie an, war eine seltsame Beobachtung zu machen: die Leute machten einen Bogen um uns, wie sie ihn auch um Deirdre machten. Ich denke allmählich wird uns klarer warum dem so ist. Die Kräuterfrau weiß mehr. Viel mehr. Sie sagte es nicht direkt, schien sich zu fürchten, und zwischendurch war ich mir ziemlich sicher, dass etwas ihr Schmerz zufügt...

 

Die perfekte Außenseiterin

 

Die Betonung ihrer Worte war eigenartig, immer wieder kam sie darauf zu sprechen, wie perfekt hier alles war, und dass jeder seine Funktion erfüllte und sich nützlich machte. Sicher, die anderen Dorfbewohner sagten ähnliches… doch aus ihrem Mund klang es, als schwinge ein zarter Hauch von Ironie in ihren Worten mit, und als wir ins philosophieren gerieten, dass es gar nichts perfektes gibt, da räumte sie  mit einem geheimnisvollen Schmunzeln ein, dass solche Worte an einem derart perfekten Ort lästerlich seien, und nur ein Verrückter so etwas sagen konnte. Schnell kam das Gespräch auf den Magier, Dardan Selterin, und auf die angeblich kursierenden Gerüchte, dass er selbst das Dorf vor drei Generationen gegründet habe, wie immer das auch möglich war. “Aber nicht sein kann, was nicht sein darf, nicht wahr?“… das waren ihre Worte.

Selterin selbst soll es auch gewesen sein, der vor Jahrzehnten diesen Pranger anschleppte. Für einen Fremden versteht sich, denn wie konnte einer der perfekten Dörfler selbst an den Pranger geraten? Der Fremde sei mit Schimpf und Schande aus dem Dorf gejagt worden… Und auf die Frage, was hier das perfekteste sei, so antwortete sie “Besonders perfekt ist die Harmonie zwischen den Dörflern und dem Magier. Er scheint fast so eine Art guter Geist zu sein, auch wenn er sich nicht oft sehen lässt.“

Ja, der Magier scheint Dreh- und Angelpunkt hier zu sein. Ich wagte mich weiter vor, und bemerkte, dass man fast meinen könnte, die Menschen hier haben die gleichen Gedanken… Und ihre Antwort darauf wiederhole ich seither immer wieder im Geiste “Das wäre ein interessantes Gedankenexperiment, nicht wahr?“ – Ein Gedankenexperiment? Lag in diesen Worten mehr? Gerne hätte ich mich weiter mit ihr unterhalten… doch es war ein Fehler das Gespräch auf die Kräuter zu lenken… die Kräuter, die sie sammeln musste, um zurecht als Kräuterfrau des Dorfes zu gelten. Wie auch Witold schien sie nervöser zu werden… sie habe ihr Beet… sie müsse nicht in den Wald… und schließlich brach sie die Unterhaltung ab, wollte, dass wir keine weiteren Fragen stellen. Doch eine letzte musste es noch sein. Und so fragte ich nach Eilidh. Eine Antwort bekam ich nicht, aber der seltsame Blick, den sie mir zuwarf, sprach Bände. Dann lehnte sich die Kräuterfrau fast erschöpft wirkend an den Brunnenrand und wir ließen ihr ihre Ruhe. Das war also die Frau, die alle für verrückt hielten… doch mir erschien sie wie das natürlichste in diesem ganzen Ort…

 

Die Stimmung schlägt um

 

Wir beschlossen uns den Rest des Ortes anzusehen, nun  wo die Straßen ruhig waren, und die meisten Leute in die Taverne gezogen sind, oder sich in ihre Häuser zurückgezogen hatten. Denn eines war uns klar: weiter würden wir nur kommen, wenn wir das Anwesen genauer in unsere Beobachtungen zogen.

Der Stimmungswandel der Dörfler uns gegenüber, schlug uns noch immer aufs Gemüt. Kaum hatten wir uns Deirdre zugewandt, hatten die anderen sich von uns abgewandt, und mit einem Mal wirkte das Dorf viel bedrohlicher, als es das bisher tat. Und nicht nur das…uns beschlich das unangenehme Gefühl beobachtet zu werden.

Vorbei ging es an der zweiten Mühle des Ortes, und einer Konstruktion die fast wie ein zu klein geratener Galgen anmutete, zu einem weiteren Platz. Ungewöhnlich schien er, mit einem weiterem Ziehbrunnen und einem wunderschönen Springbrunnen, der nicht recht zum Gesamtbild passen wollte. Vielleicht sollten wir ihn noch genauer untersuchen. Für den Moment nahmen wir keine weitere Notiz von ihm, nur Doireann schien er regelrecht zu faszinieren. Im Nachhinein… wurde uns nicht berichtet es gäbe nur einen Brunnen im Dorf?

Die Straße führt weiter auf den Friedhof… eigentlich der letzte Ort an dem man in solchen Momenten sein möchte. Eine kurze Untersuchung der Grabsteine ergab, dass die Leute hier ein recht hohes Durchschnittsalter erreichten, wie es eben zu sein hat, in einem perfekten Dorf. Die älteste Datierung weist etwa 700 Jahre in die Vergangenheit – unsere Vergangenheit. Wir näherten uns der Gruft, die im Gegensatz zu allem andern hier neu wirkt, scheinbar noch nicht belegt… doch… wieder hatte ich das Gefühl, etwas trommele gegen die Willensbarrieren meines Geistes. Selbst jetzt weiß ich nicht, wie ich es in Worte fassen soll… doch alles an diesem Ort wirkte falsch. Falscher, als es das sowieso schon war, als der Verstand es uns sagte. Und ehe ich mich noch weiter darauf konzentrieren konnte, ließ uns ein regelmäßiges Pochen zusammenzucken. Kalt lief es mir den Rücken herunter, als es vom Dorf aus zu uns drang. Monoe war die erste, die instinktiv hinter den nächsten Felsen huschte, und uns leise zuraunte - eine Gestalt im Schein einer Laterne hatte sie gesehen, die auf das Anwesen zuschritt, eine Kapuze über den Kopf gezogen, und einen Stab auf den Boden klopfend. Kurz darauf ein Markerschütternder Schrei, der das Blut in den Adern gefrieren ließ…

Und darauf folgte die nur von den knarzenden Windmühlrädern und den im Wind  rauschenden Blättern unterbrochene Stille, und alles schien wieder friedlich und auf abstrakte Art normal…

 

Fenster und Türen…

 

Nachdem der Schreck einigermaßen überwunden war, schlichen wir zurück durch die dunklen und Menschenleeren Gassen, uns dem Anwesen von der Seite nähernd. Doch viel sollten wir in dieser Nacht nicht mehr ausrichten können. Der Versuch durch die Fenster etwas zu erkennen, bot uns nur den Blick auf ein diffus beleuchtetes Zimmer, und den Schemen einer umherwandernden Gestalt, mit einem Stab in der Hand und gestikulierend. Wir zogen uns zurück… doch ich hielt noch einmal inne, und ging zum Haus der Kräuterfrau. Der Schrei, den wir gehört hatten, ließ mir keine Ruhe. Ich klopfte erfolglos an die Tür… dann ans Fenster… und tatsächlich näherte sich ein Schemen. Sie zeigte sich nicht wirklich, versicherte mir nur, dass alles in Ordnung sei, und als ich auf den Schrei zu sprechen kam, und fragte, ob es einen Unfall gab… da meinte sie nur, sie könne mir nichts weiter  sagen, nicht mehr. Ich ließ ihr eine Alraune auf dem Fensterbrett zurück, nachdem sie sich entfernt hatte. Monoe wollte noch einmal zum Anwesen, um ein Haar anzubringen, das uns verraten würde, ob die Tür geöffnet wurde… und dann zogen wir zur Taverne.

Nach dieser Nacht ahne ich, dass uns noch ganz andere Dinge bevorstehen, und ich kann nur hoffen, dass ich Schlaf finde… und dass wir alle heil hier raus kommen.

 

 

Ein Zwischenbericht

 

Dschadir und mich drängte es, einige Gebäude des Dorfes  nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser erster Anlaufpunkt waren die Ruinen, die dieses Mal einer magischen Prüfung standhalten sollten. Zuerst schien es wie bei allen bisherigen Versuchen auch: alles war derart unmagisch, wie…Eisen! Natürlich! Daher benötigte der Magus hier so viel Eisen? Um die Quelle zu verbergen? Aber beeinträchtigte das nicht ihn selbst? Doch ich will die Ereignisse beschreiben, und nicht meine derzeitigen Gedanken…

Ein Bannzauber, mit höchster Konzentration auf die Ruinen gesprochen, gewährte einen winzigen Moment Einblick, in die echte magische Atmosphäre dieses Ortes, ließ für ein paar Sekunden eine Lücke in diesem riesigen Schutzschild vor Erkenntnismagie. Wo zuvor nichts auszumachen war, sah ich nun plötzlich die  schwachen Schutzzauber auf dem alten Gemäuer, uralt und nach und nach versiegend. Was jedoch meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war das Anwesen. Dort wo bisher nur undeutlich eine schwache Quelle der Magie zu spüren war, befand sich nun ein übermächtiger Strudel. Es war beängstigend. Magie so stark, wie sie nur die mächtigsten Magier meiner Welt wirken können.

Es dauerte einen Moment bis ich mich wieder gefangen hatte, und noch einmal spazierten wir durch das Dorf. Vorbei an einer der Mühlen, die nach einem Augenblick des Lauschens preisgab, dass sie Pumpen antrieb. Wasserpumpen, wie ich dachte, und dieser Eindruck sollte später auch bestätigt werden. Weiter führte unser Weg zum Zierbrunnen, der so derart… deplatziert an diesem Ort wirkt. Aber an dem mit stilisierten Wellen verzierten Stein ist nichts weiter auffällig. Als letztes besuchten wir noch einmal die Krypta, wo sich uns wieder die Frage stellte, wie man so weit hier draußen, an derart ausgefeiltes Kunsthandwerk kommt. Die Statuen sind kleine Meisterwerke, wirken irritierend an einem Ort wie diesem, der zum Großteil nur aus einfachen Holzhütten besteht.

Mehr konnten wir nicht ausrichten, und so begaben wir uns für den Moment zur Ruhe.

 

Zu den Grenzen der Vergangenheit…

 

Am nächsten Morgen brach ich früh auf, um die Grenzen dieses Gebietes zu erreichen. Der Grund waren die Dinge, die ich mit mir trug, deren Verhalten ich testen wollte:

~ ein Stein irgendwo vom Boden, den ich mit einem X markierte
~ ein Ast von einem der alten Bäume

~ eine Phiole, die ich mir vom Wirt geben ließ, und die ich mit Wasser aus dem Brunnen füllte

~ ein Blutegel aus dem Tümpel bei den Ruinen

~ ein Laib Brot aus der Taverne

Nach etwa einstündiger Reise, hatte sich einiges in meinem Gepäck getan. Der Stein, der Ast und der Blutegel boten kein anderes Bild als zuvor. Das Brot allerdings war verschwunden, ebenso die Phiole, die mir der Wirt gab. Das Wasser jedoch hatte meinen Rucksack überflutet.

Ich kehrte zum Dorf zurück, und nachdem die beiden Dinge verschwunden blieben, bin ich recht froh den alten Witold damals nicht weiter über die Grenzen gelockt zu haben.

Fräulein von Gareth war wieder zum Lager aufgebrochen, sich von den Strapazen der letzten Tage erholen. Wir anderen machten uns auf die Suche nach dem Bürgermeister, Athelstan Arvid, dessen Haus wir auch sofort fanden – aber nicht ohne das Haar zu untersuchen, welches Monoe am Anwesen angebracht hatte… Offenbar war der Magus diese Nacht unterwegs gewesen, das Haar war gerissen.

Athelstan trafen wir beschäftigt an, und nur kurz sprachen wir mit ihm, stellten uns als Händler vor, die am Handel mit Delbras interessiert seien. Fast hätten Aurelian und Dschadir es geschafft den Mann zu verärgern – Aurelian mit seinen kühlen Blicken, Dschadir mit vorwurfsvollen Worten. Ich glaube die beiden haben schon die gesamten Bewohner dieses Dorfes innerlich verflucht. Ich selbst… glaube nicht, dass die Bewohner verantwortlich zu machen sind. Noch weniger, seit ich mit Marlis sprach. Wir trafen sie und ihre Mutter Gyneth kurze Zeit später, nachdem Monoe, Doireann und ich versuchten Athelstan wieder milde zu stimmen. Sie ist die kleine Tochter des Bürgermeistersehepaares, ich würde sie auf etwa 10 Sommer schätzen. Sie scheint sich zu langweilen in diesem Dorf, und setzt ihrer Mutter, das ein oder andere Widerwort entgegen. Fast unbewusst scheint sie Abstand von Gyneth zu nehmen, die ihrerseits eine recht stille, junge Frau ist. Die Beschreibungen die wir von den andern Dorfbewohnern zu ihrer Person erhielten, empfinde ich nicht als zutreffend. Ich konnte weder Arroganz noch Eitelkeit an ihr feststellen, viel eher ist sie sehr zurückhaltend und fast ängstlich. Sie stammt wie sie sagt aus der Stadt von der wir hörten, aus Sarelon, und geriet offenbar in eine Zwangsehe mit Athelstan. Allerdings scheint sie selbst zu empfinden, dass sie sich von anderen hier unterscheidet. Immerzu betonte sie, sie sei ’im Fluss’… die anderen wären das nicht. Und tatsächlich scheint es etwas mit ihren blauen Augen zu tun zu haben…

 

Alles ist im Fluss

 

Blaue Augen… blauer Fluss… Immer mehr war ich der Überzeugung, dass es etwas mit dem Wasser zu tun habe musste. Und auf meine direkte Frage darauf, bekam ich auch eine direkte Bestätigung von Gyneth. Danach jedoch hüllte sie sich genauso in Schweigen, wie Deirdre vor ihr. Deirdre… das war mein erster Gedanke, und so steuerte ich den Brunnen vor ihrem Haus an, schnappte mir einen Eimer Wasser, und wollte sie zur Rede stellen. Im Nachhinein... es war sicher nicht ganz fair, ausgerechnet von ihr Antworten zu verlangen, immerhin hatte man gesehen welche Schmerzen es ihr zufügte, auch nur im Ansatz auf heiklere Fragen bezüglich des Dorfes einzugehen. Aber sie war die einzige, die überhaupt gewillt schien irgendetwas preiszugeben… neben Gyneth vielleicht, die allerdings viel zu verschüchtert war, um den Mund aufzumachen. Und was sollten wir schon tun, nun da die Gewissheit sich verdichtete, dass an diesem Wasser etwas oberfaul war? Schließlich mussten auch wir trinken!

Monoe schien gar nicht davon begeistert, dass mein Temperament mit mir durchging, versuchte einen Passanten zu beruhigen,  und selbst die Männer, die vorher noch dem Bürgermeister böse Blicke schenkten, hielten sich im Hintergrund, als ich entschlossen auf Deirdres Hütte zuschritt. Mit vielem hatte ich gerechnet, nicht jedoch damit, dass sie das Wasser anstandslos trinken würde. Auf die direkten Fragen über die Brunnen, den Magier, die falsche Zeit, Fürstenborn und Eilidh  wurde sie sehr still, und lediglich die Frage ob sie hier geboren sei, entlockte ihr ein Kopfschütteln, wobei sie wieder Schmerzen zu plagen schienen.

Nach diesem kleinen Intermezzo verabschiedete ich mich mit der gut gemeinten Floskel „Vielleicht sehen wir uns ja noch mal“… und als ihr „Ganz sicher“ erklang, kam mit einem Grinsen wie von selbst die bestätigende Antwort über meine Lippen:  „Ihr seid die Seherin.“. Und damit wandte ich  mich endgültig ab, während mir jetzt erst bewusst wurde, wie sehr sich doch die Beschreibung Eilidhs mit der Erscheinung von Deirdre deckte´...



Katharsis – die letzten Stunden von Delbras 

 

Das Wasser… zwei Proben davon musste ich irgendwie mit nachhause bringen. So leerten wir zwei der Tränke, die ich mitgebracht habe, und ich füllte eine Phiole mit dem Wasser des normalen Brunnens, und eine mit Wasser des Zierbrunnens. Und dann sollte das Anwesen diesmal wirklich unser Ziel sein. Aurelian schien zu kochen vor Wut, zumindest klopfte er wie ein wild gewordener Ork an das Tor – doch Wirkung sollte es keine haben, sieht man davon ab, dass es einen der Dorfbewohner ans Fenster lockte, der sich ob unseres offensichtlichen Vorhabens sogleich wieder ängstlich verzog.

Doch trotz Aurelians Bemühungen, all das Geklopfe, auch der Versuch die Tür mit dem Schwert aufzuhebeln, zeigten keine Wirkung. Auch gegen die magische Auskundschaftung schien die Tür ebenso gut gefeit, wie alles andere hier, und die Fenster standen unter dem gleichen Schutz… doch dann musste ich an den Abend denken, als Monoe den Mann mit der Kapuze sah. Ich suchte einen Ast, und ein Schauer lief mir den Rücken hinunter, als ich ihn mit rhythmischem Pochen auf die Erde klopfte. Aufgehen sollte die Tür nicht… doch sie enthüllte eine Art Siegel, das bisher verborgen war. Ein Strich der sich mitten über das Portal zog, und mit dessen Enthüllung ein Teil des Schutzschildes zu fallen schien. Es gab eindeutig mehr derartige Siegel oder Punkte  in diesem Dorf, die durch das Klopfen besonders vor neugierigen Blicken geschützt waren. Und in einem waren wir uns sicher: eines davon befand sich bei der nahe gelegenen Windmühle.

Da wir hier nichts ausrichten konnten, trotz Zauber, trotz den Versuchen die Tür mit Gewalt zu öffnen, wandten wir uns also der Mühle zu… was würde wohl geschehen, wenn wir es schaffen würden die Pumpen zu stoppen? Lag das ganze Geheimnis letztendlich wirklich im Wasser? Nicht nur als natürlicher Quell, sondern auch als Quell der Magie?

Es schien die einzige Idee, nein die einzige Möglichkeit die wir hatten, und so näherten wir uns dem finstren Gebäude, das nach wie vor im Wind ächzte – und wie hätten wir ahnen können, was wir damit ins rollen brachten?

Die Männer verschafften sich Zutritt, während wir anderen draußen blieben. Und kaum waren sie im Dunkeln verschwunden, da fiel mit einem Schlag die Tür hinter ihnen zu. Monoe eilte die Treppen an der Außenseite der Mühle hoch, um durch ein Fenster zu spähen, während ich versuchte die Tür wieder zu entriegeln… doch ich schaffte es nicht sie auch nur einen Milimeter zu bewegen, und so gab ich den Versuch auf, als ich von oben auch schon hörte wie Monoe versuchte das Fenster zu öffnen, während innen unerwartet das Kampfgetümmel entbrannte. Eiliger versuchte ich noch mal mich gegen die Tür zu werfen, und da hörte ich auch schon das Fenster klirren, das von Monoe mit zwei gezielten Tritten aus den Angeln gezwungen wurde. Natürlich hechtete ich zu ihr, die Männer hatten sich den Geräuschen nach zu urteilen eh längst nach oben zum Getriebe der Mühle gekämpft, und wer wusste schon, was ihnen auf den Fersen war?

Was ich sehen sollte, als ich in die Dunkelheit der Mühle spähte, ließ mich einen Moment erstarren: Aurelian schlug mit voller Wucht auf die Mechanik des Gebäudes ein, während Dschadir sich verzweifelt zur Wehr setzte. Was ich allerdings von dem Angreifer sah, waren zunächst nur zwei leuchtend rote Augen und eine undeutliche Silhouette, ein Geist, wie Monoe es nannte, zudem ein sichtlich wütender Geist.

 

Der Totentanz beginnt

 

Schnell presste ich mich neben dem Fenster an die Wand, als ich Dschadir schon auf mich zuhechten sah. Ich weiß nicht woher ich in diesem Moment die Konzentration nahm, aber es gelang mir die Kämpfer zusätzlich mit einem Zauber zu unterstützen. Mit vereinten Kräften schafften wir es schließlich nach hartem Kampf den Geist zu vernichten, und so fiel er in sich zusammen, bevor nichts von ihm blieb, als eine Nebelwolke, die sich rasch im Wind verteilte.

Doch wir hatten kaum Zeit uns zu sammeln. Doireann stand noch immer mit großen Augen daneben, Aurelian war am Balken des kleinen Galgens zusammengesunken, und auch wir andern starrten wohl nach wie vor auf die Stelle an der der Geist sein untotes Leben ausgehaucht hatte. So wären uns die Schritte fast entgangen, die eilig auf uns zukamen.

Es war Gyneth - sichtlich aufgewühlt und verängstigt. Aurelian schien es allerdings nicht zu kümmern, dass es nur eine unbewaffnete, verzweifelte Frau war, auf die er grimmig zulief. Ja, er drohte sogar an sie zu töten, wenn sie noch einen Schritt tun würde – was wir glücklicherweise verhindern konnten. Ich bin sicher Gyneth wäre keinen Spann  zur Seite getreten, auch wenn Aurelian zugeschlagen hätte. Sie stammelte vor sich hin, was wir getan hätten, dass der Fluss zerstört sei, dass alles schlimmer werden würde, und dass es nur einen Ort gäbe an dem wir sicher seien. Und zu jenem Ort folgten wir ihr. Ein kleiner Hinterhof, neben einer Scheune, nach Außen nichts besonderes, und bisher hatten wir diese Stelle nicht einmal registriert. Doch hier sollte sich allmählich das Rätsel lösen, und bisher unbeantwortete Fragen fanden eine Antwort.

Es war der Ort, an dem Dardan Selterins Frau gestorben war, damals vor rund 700 Jahren. Seine Experimente mit dem Wasser waren es, denen wir all das hier zu verdanken hatten. Und es schien ihn nicht zu kümmern, wie falsch das hier alles war. Ihm ging es lediglich darum, seinen Fehler von damals wieder gut zu machen, das Dorf wieder zum Leben zu erwecken, das er vernichtet hatte, und womöglich den Tod seiner Frau ungeschehen zu machen. Aber wie das alles existieren konnte, blieb uns nach wie vor verschleiert, und vorerst sollte sich dieses Geheimnis auch nicht lüften. Doch etwas anderes traf uns überraschend. Gyneth war eine Fremde hier, genau wie wir. Aus unserer Zeit, Studentin an der Akademie zu Fürstenborn. Und was immer sie hier her getrieben hatte: sie war es, die Dardan schlafend – ja, nur schlafend, nicht tot -  in der Krypta vorfand. Und eine Berührung hatte laut ihren Aussagen ausgereicht, um ihn zu erwecken. Und nun drängte sie darauf, dass all dies beendet werden müsse, das Zerstörungswerk was wir bei der ersten Mühle begannen, wollte sie bei der zweiten fortsetzen. Uns allen war klar, dass dies bedeutete, dass sie den Freitod wählen wollte, denn fürwahr, irgendetwas hatten wir ins rollen gebracht, und sie beteuerte, dass es schlimmer werden würde. Und  wer zur zweiten Mühle ging und ihren Mechanismus zerstörte, würde nicht mehr lebend hier raus kommen – wir hatten keinen Grund daran zu zweifeln, vor allem nicht bei einer zierlichen Frau wie Gyneth. Doch wie hätten wir sie gehen lassen können?

Die rettende Idee war sowohl riskant, als auch ziemlich ungewöhnlich. Durch die Baumkronen waren die Windsegel der zweiten Mühle in der Ferne zu sehen. Wir hatten eine gute Schützin dabei, und auch Dschadir war nicht unbegabt mit dem Bogen. Wenn wir spätzündende Feuerbälle auf die Pfeile legen konnten, Brandpfeile, die beim Kontakt mit den Segeln explodierten... das konnte der Ausweg sein. Und zudem wäre es ein Signal an die Elfen, die immer noch in der Nähe des Dorfes warteten.

So versuchten wir es und starrten gebannt zu den beiden Schützen, als die Pfeile flogen.

 

Lebensrettende Pfeile

 

Was beim ersten Test – einer Einschieß-Übung um ein Gefühl für die Flugbahn zu bekommen – scheiterte, gelang umso sicherer beim eigentlichen Schuss. Wir hatten gehofft, dass wir es schaffen würden die Flügel in Brand zu setzen, damit die Mühle sich nicht mehr drehen konnte, mit einer Explosion diesen Ausmaßes hatten wir allerdings nicht gerechnet. Sie musste die Elfen aufmerksam gemacht haben, und zudem jeden Bewohner des Waldes im Umkreis von ein paar Meilen. Diese Mühle würde sich nicht mehr im Wind drehen, und für den Moment hatten wir ein Menschenleben gerettet – was allerdings bedeutete, dass wir mindestens sechs weitere aufs Spiel setzten. Denn wie Gyneth prophezeit hatte, begann ’es’.

Um uns ächzten die Gebäude, die schweren Eichenbalken knarzten unter ihrer Last, und der süßlich modrige Geruch nach Tod und Verwesung begann uns in die Nase zu steigen. Ein grünlicher Nebel, der träge und schwer über den Boden kroch. Man konnte zusehen, wie Haus um Haus zur Ruine wurde, und als wir schließlich einen Blick durch die zerfallenen Wände werfen konnten, erstarrten wir, und ängstliches Schweigen legte sich für einen Moment über den Hinterhof.

Monoe kletterte waghalsig auf das wacklige Gebäude und  verschaffte sich einen Überblick, als vom Dorfrand die ersten Kampfgeräusche und Explosionen zu uns hinüber drangen. Untote soweit das Auge reichte…Es ist wohl kaum übertrieben, wenn ich von etwa 200 wandelnden Leichen ausgehe, die sich durch die Gassen schoben. Und allein das Anwesen schien von den Gebäuden noch einigermaßen intakt. Das war wohl unser Ziel, denn wir waren sicher dort würden wir Deirdre finden, oder besser gesagt Eilidh.

Wir belegten uns mit Schutzzaubern, auch wenn uns eines klar war: hier half nur rennen. Würden sie uns umzingeln, dann wäre es vorbei. Aurelian und Dschadir kämpften an der Spitze, und wir anderen versuchten möglichst unauffällig hinterher zu kommen. In Scharen schlurften die verwesenden Körper auf uns zu sobald sie uns entdeckt hatten, das Leben förmlich witternd. Die Klingen der Männer tanzten durch die zerfallenden Leiber, und hin und wieder ließ Monoe hinterrücks mit der Fackel den ein oder anderen in Flammen aufgehen. Ich hielt mich lieber an meine Zauber, um mir die Toten vom Leib zu halten, schließlich lag mein Speer in unserem Erdloch vor dem Dorf, und ich hatte lediglich einen Dolch bei mir. Im Nachhinein weiß ich nicht, wie wir es überlebten, aber irgendwie schafften wir es uns zum Anwesen durchzukämpfen, welches die widernatürlichen Kreaturen noch immer mieden. Die Tür bot kein Hindernis mehr, und so begaben wir uns in die mehr als zweifelhafte Sicherheit von Selterins Zuhause.

 

Der Zerfall

 

Tatsächlich machten die Untoten keine Anstalten uns zu verfolgen. Dennoch blieb die Furcht, sie könnten es sich anders überlegen. Und kaum hatten wir uns einen ersten Überblick im Flur verschafft - erstaunlich unberührt und intakt, als wären wir in Fürstenborn – schoben die Männer ein großes Sofa vor die Tür, um wirklich sicher zu gehen. Meine Einwände, dass wir uns den eigenen Fluchtweg versperren, stießen unglücklicherweise auf taube Ohren, und viel Zeit zum diskutieren blieb schließlich auch nicht. Eilidh befand sich in größter Gefahr.

So durchsuchten wir teils staunend, teils unwohl das Gebäude. Gespenstisch still lagen die Räume vor uns, die so surreal gemütlich wirkten, nach allem, was wir draußen erlebt hatten. Im ersten Stock wagte ich einen Blick aus dem Fenster, und uns wurde schnell klar, mit welcher Art Magie wir es hier scheinbar zu tun hatten: Delbras wirkte friedlich wie noch vor einigen Stunden. Keine zerfallenen Gebäude, keine wandelnden Toten… stattdessen das beschauliche Dörfchen, welches wir kennen gelernt hatten, als wir hier ankamen. Ganz offensichtlich war Dardan ein Meister Illusionen, und das sollten auch die Titel etlicher Bücher bestätigen, welche die kleine Bibliothek im Flur füllten.

In diesem Stock lagen auch das Zimmer des Magus selbst – ein sehr praktisch, wenn auch luxuriös ausgestatteter Raum – sowie das Zimmer seiner ehemaligen Gefährtin, wie es scheint. Sie muss eine Freiheitsliebende Frau gewesen sein, zumindest ist das mein Eindruck nach dem Blick auf die Wandmalereien, die naturgetreu die Weiten des Himmels zeigen.

Hier kamen wir zumindest nicht weiter, sieht man mal davon ab, dass Monoe das Studium der Illusionen wirklich am Herzen zu liegen scheint, da sie  möglichst viele dieser alten Werke barg – solange Aurelian sie trug, sollte mir das nur Recht sein, immerhin schien hier alles dem Untergang geweiht. Das interessanteste Werk enthielt jedoch die kleine Kammer auf dem Dachboden. Ein Grimoire von gewaltigem Ausmaß, Dardans Grimoire. Vermutlich enthielt es all die Aufzeichnungen über Delbras, und vermutlich hätte es wirklich Aufschluss darüber gegeben, was hier eigentlich passiert ist. Doch es ist wohl besser, dass sich das Buch mit grellen Blitzen dagegen wehrte, von seinem Platz gerissen zu werden.  Und die Energieschläge, die es an unsere begeisterte Begleiterin austeilte, sorgten dafür sie einen Augenblick die Contenance verlieren, und sich zu solch kreativen Wortschöpfungen wie „Sapper Scheisse!“ hinreißen zu lassen.

Mich interessierte mehr die kleine Statuette, die auf dem Dachboden zu finden war, und welche sich nicht derart heftig zu wehr setze. Was mag sie wohl darstellen? Eine Göttin? Oder die Dame des Hauses?

Das ganze Haus hatten wir durchsucht, doch noch immer keine Spur von Eilidh. Aber was war mit dem Keller? Es musste einen Keller geben. Hatten wir nicht eine unscheinbare Luke neben der Treppe gesehen? Und so führte unser Weg wieder hinunter, und schließlich in einen modrigen, kalten, finsteren Gang. Hier also bewahrte Dardan seine Wertgegenstände auf. Aber die Statuen, die Münzen, die Waffen und der restliche Prunk, der hier verstaubte, zog nur die Blicke weniger auf sich, denn Stimmen drangen an unser Ohr, die Stimmen zweier Männer, die von den Wänden wiederhallten.


 

Das Grimoire

 

 

Zurück in die Gegenwart


Die Stimmen drangen an unsere Ohren, begleitet von einem monotonen Summen. Schwierig zu sagen, was in diesem Moment beunruhigender war, aber für mich waren es wohl die Worte. Zwei Männer, deren Gespräch sich um niemand anderen als Eilidh drehte. Ein Fremder, der offenbar Dardan ansprach, ihn dazu drängte zu handeln, da alles zusammenbrach. Dieses Handeln stand den Worten nach zu urteilen wohl in direktem Zusammenhang mit Eilidh. Sie würde helfen alles in Ordnung zu bringen. Ob sie brechen würde. Dardan war sich seiner Sache erstaunlich sicher.

Heimlich schlichen wir in den anderen Raum, verbargen uns hinter den Säulen, und spähten in die große Halle die vor uns lag. Dort war sie, die Quelle der Magie, die Delbras am Leben erhielt. In allen Farben des Regenbogens schillerte sie, und tauchte den Saal in ein unheimliches Licht. Eilidh war auf einen Stuhl gefesselt, bewusstlos, und Dardan beugte sich in dem Moment über sie, als Aurelian mit erhobener Klinge einfach voranschritt. Auch Dschadir unternahm keinen Versuch mehr, sich im Verborgenen zu halten. Die Magier hatten weder Notiz von mir, noch von Monoe genommen, und so nahm ich die Gelegenheit wahr, einen Unsichtbarkeitszauber zu wirken, mich an der Wand entlang zu der Seherin zu schleichen. Vorsichtig zerschnitt ich die Lederriemen, die sie an den Stuhl fesselten, als sie langsam zu sich kam, und um uns herum der Kampf losbrach. Blitze zuckten aus Dardans Stab, den er mit unnatürlich lautem Pochen auf den Boden schlug, direkt auf Aurelian  zu, als Monoe aus den Schatten trat, und den Zauber förmlich aufsaugte.  Ich packte die Gelegenheit am Schopf, so nah an Elidhs Stuhl, und genau vor uns stand der fremde Magier, Dardans Helfer. Mein Zauber überraschte ihn, und brachte ihn für den Moment aus der Fassung, aber trotz aller Überraschung, schickte er uns eine Welle finsterer Magie entgegen, die mich samt Eilidh zurücktaumeln ließ. Schnell waren die beiden Magier, auch Dardan, trotz seines hohen Alters. Der nächste Blitz traf Aurelian, und der Fremde, den Dardan Aonghus genannt hatte, schickte Dschadir erneut eine Welle entgegen, die ihn von den Füssen holte. Und während er sich am Boden zusammenkrümmte, legte ich einen magischen Schutz um mich, welcher mir vermutlich das Leben rettete.

Was im Einzelnen geschah… ich vermag es nicht mehr genau zu sagen, doch um uns herum schien der Limbus entfesselt. Blitze zuckten, Magie materialisierte sich in weiteren schwarzen Strahlen, während Dschadir mit blitzender Klinge auf Dardan zustürmte, und Aurelian in einen Kampfrausch verfiel, der ihn sabbernd einem Oger gleichen ließ. Monoe unterstützte die beiden mit ihren Zaubern, Doireann schoss Pfeil um Pfeil auf drei eigenartige Säulen, welche die Regenbogenfarbene Quelle zu nähren schienen. Und ich brachte Eilidh hinter einem Pfeiler in Sicherheit, erinnerte mich all der Kampfzauber die ich gelernt hatte, um die Magier aufzuhalten. Sehr bald sollten wir feststellen, dass die Quelle direkt nicht verwundbar war. Zauber schien sie wie ein Schwamm aufzusaugen, nur um noch kräftiger zu strahlen, einzig Schaden an den drei anderen Säulen, schien sie zu schwächen. Und um das zu verhindern, schreckten die Magier nicht vor schwärzester Magie zurück. Schon hob Aonghus die Arme, und aus dem Nichts erschall das Surren und Flattern Tausender winziger Flügel. Hungrige Insekten breiteten sich Scharenweise aus, einzig und allein mit dem Ziel uns ihre Stacheln in den Körper zu schlagen. Ich hatte gerade noch Zeit einen der Tränke, die ich vorsorglich in meinen Rucksack gepackt hatte hinunterzukippen, um mich vor den Tieren zu schützen, während Monoe eine Flammenwand zauberte, die auch die letzten von ihnen zu Boden gehen ließ.


Die Quelle


Und dann wurde es plötzlich still. Die Magier lagen getroffen am Boden und schienen ihr Leben langsam auszuhauchen. Ich erinnere mich, dass ich auf Aonghus zuschritt, ohne einen Blick für das, was hinter mir geschah. Es gab so viele Fragen über das, was hier geschehen war… und die Wut über all den Missbrauch der Magie, über die Respektlosigkeit vor dem Tod, und über die Entführung Eilidhs und Gyneths saß mir tief in den Knochen. Den Gnadenstoß wollte ich ihm nicht geben, nicht bevor er nicht den Mund aufmachte, und endlich eine Erklärung für all das hier lieferte. Doch selbst im Angesicht des Todes hatte er nur Hohn und Spot für uns übrig, erklärte Blutspuckend und lachend, dass wir versagt hätten, und röchelte Dardan zu, er solle ‚es’ zuende bringen. Ich hatte den Fehler gemacht in diesem Moment zu Selterin zu blicken, oder genauer gesagt das, was von ihm übrig geblieben war, nachdem Aurelian sein blutiges Werk vollendet hatte. Der Magier war längst tot, und seine Eingeweide verteilten sich auf dem steinernen Boden. Es wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben, wieso er den Leichnam derart schänden musste, aber ich hatte auch keine Gelegenheit dazu, daran einen Gedanken zu verschwenden, als mir allein ob des Anblicks speiübel wurde und ich zur Seite taumelte. Hinter mir hackte Aurelian inzwischen auf eine der drei Säulen ein, und nur am Rande bemerkte ich, dass die Quelle zu flackern begann. Es dauerte einen Moment, bis mir gewahr wurde, dass Dschadir versuchte mich zu beruhigen, und darauf drängte, dass wir so schnell wie möglich das weite suchen sollten.

Da meldete sich Eilidh zitternd zu Wort, und drängte darauf die Quelle zu zerstören. So begann auch Dschadir auf die letzte der Säulen einzuschlagen, begleitet vom Prasseln bröckelnden Mauerwerks. Nurmehr zu einem Murmeln fähig, sprach ich einen Bann auf das, was noch von der Quelle übrig war, und er reichte, um das Regenbogenfarbene Licht völlig zum Erlöschen zu bringen.

Das war wohl der Moment, indem mir die Situation wieder völlig bewusst wurde. Das Gebäude um uns, stand kurz vor dem Zusammenfall, nicht mehr lange, und es würde uns unter seinem Schutt begraben. Eilidh stützend, eilte ich gen Treppe, und auch die anderen verloren keine Zeit mehr – nun, alle, bis auf Monoe, die wohl noch ein paar Kleinigkeiten aus Dardans Besitz sicherstellen wollte. Die Flucht kam jedoch an der Eingangstür zunächst zu einem abrupten Ende. Das Sofa, das die Tür blockierte um die Untoten abzuhalten, hätte uns in diesen Moment zum Verhängnis werden können. Das leichte Aufbrausen darüber, dass die Männer mir beim betreten des Hauses kein Gehör geschenkt hatten, ließ mich meine letzten Kräfte mobilisieren, um den Fluchtweg frei zu machen. Und so stürzten wir ins Freie, keinen Augenblick zu spät, als das Anwesen mit lautem Tosen in sich zusammen fiel.

 

Flucht aus den Trümmern

 

Delbras lag in Trümmern. Außer den zerfallenen Grundmauern, gab es hier kein Anzeichen für Leben mehr, und zu unserer Erleichterung, schienen auch die Untoten endlich ihren Frieden gefunden zu haben. Regen prasselte unaufhörlich auf den Boden, und der Ort hatte nichts von seiner Tristesse verloren. Ich bin sicher wir alle sehnten uns nach einem Kaminfeuer, einem warmen, weichen Bett, doch allein der Gedanke daran, ließ schmerzlich in Erinnerung kommen, dass wiederum eine viertägige Reise durch die Wälder Seldarias vor uns lag, bei der wir auf all diesen Luxus verzichten mussten.

Wir waren erschöpft, durchnässt und unsere Nerven lagen blank, so schreckte ich zusammen, als durch den Regen plötzlich mehrere Gestalten auf uns zuschritten. Mit Erleichterung erkannte ich sie als Kethellon und ein paar seiner Leute, gezeichnet vom hinter ihnen liegenden Kampf. Die erste Frage, die mir über die Lippen kam, galt Miranda, und das erste mal in den letzten Tagen empfand ich wieder so etwas wie Freude, als er erwiderte sie würde im Lager auf uns warten. Ich wollte nur noch schnellstmöglich hier weg, zu Mira, ans Feuer, mit einer dampfenden Tasse Tee. Doch das sollte mir, im Gegensatz zu Eilidh, Gyneth und den Elfen nicht vergönnt sein. Wir holten unsere Sachen aus dem Behelfslager und getrieben von den letzten Geheimnissen, die dieser Ort barg, verschlug es uns abermals zu den Ruinen. Monoe schien sich fest vorgenommen zu haben, zu ergründen, was es damit auf sich hatte. Ja, sie wollte wohl nicht mit ganz so leeren Händen von hier fort, und allem Anschein nach, kam da doch die Akademikerin zum Vorschein.

Ich für meinen Teil brauchte ein paar Minuten für mich alleine, und so schlurfte ich durch die Straßen, die noch vor wenigen Stunden so lebendig schienen. Irgendwann trugen mich meine Schritte zum Friedhof, und schließlich zu der seltsamen Krypta, die zwar auch Spuren des Verfalls aufwies, aber dennoch wesentlich jünger zu sein schien, als der Rest hier. Diesmal verschaffte ich mir Zutritt und blickte mich in dem leeren Raum um. Das also war die Stätte, an der Gyneth den schlafenden Magier gefunden hatte. Kein Sarkophag, kein Schmuck, keine Urne. Nur ein Altar und auf dem Boden ein paar Runen, ähnlich jenen an der Ruine. In aller Ruhe nahm ich ein Pergament hervor, und zeichnete sie ab, für den Moment glücklich darüber ein Dach über dem Kopf zu haben, und ein wenig Ruhe zu finden. Allzu lange konnte ich nicht verweilen, vielleicht hatten die anderen ja inzwischen doch genug davon, noch weiter durch den Tümpel zu waten. So erhob ich mich nach einer Weile wieder, als ich ein wenig Kraft geschöpft hatte, und mein Blick fiel auf eine Nische. Eine kleine, krude wirkende Drachenfigur verbarg sich darin, sicherlich nicht von einem Handwerker erschaffen, eher von einem Kind. Ich beschloss sie mitzunehmen, und machte mich auf den Weg zu den Ruinen.

Tatsächlich hatten auch die anderen etwas gefunden. Eine Kreisrunde Bodenplatte schien sich am Grund des Tümpels, welcher die Ruinen ausfüllte zu befinden. Zu viel Wasser, zu groß, zu schwer, aber so schnell wollten die anderen nicht ablassen, ja, sogar Monoe war gewillt sich für die Forschung die Kleider schmutzig zu machen, und stieg selbst in die von Blutegeln bewohnte, trübe Suppe. Ich nahm das mit einiger Verwunderung zur Kenntnis, aber ließ mich lieber neben Dschadir auf den Boden sinken, schlicht müde von den hinter uns liegenden Strapazen. Zumal ich mir sowieso nicht vorstellen konnte, dass wir auch nur die geringste Chance hatten die riesige Bodenplatte anzuheben, vor allem nicht mit Literweise Wasser, welches dagegen drückte.

Ich muss wohl einen Moment weggenickt sein, und riss erst bei der wohl vertrauten, ruhigen, hellen Stimme den Kopf herum. Die ersten Momente konnte ich Mira nur anstarren, wie sie da stand, etwas erschöpft, und sicherlich auch an der Kleidung die ein oder andere Spur des hinter ihr liegenden Kampfes, aber dennoch stolz und aufrecht, wie eh und je, mit dem für sie so typischen leichten Lächeln auf den Lippen. Dieser Anblick war mein Zeichen aufzuspringen, ihr um den Hals zu fallen,  und diesen unglückseligen Ort zu verlassen. Und das taten wir. Möge Delbras in Frieden ruhen – auf immer und ewig.

 

Letzte Eindrücke

 

 

Hón’en Taure

 

Die Elfen empfingen uns herzlich in ihrem Lager, und wir sammelten unsere Kräfte, um den Rückweg anzutreten. Wir würden länger brauchen, als die vier Tage, denn Gyneth würde keinen derart strammen Marsch durchhalten. Aber das war uns nur recht, immerhin waren wir auch nicht gerade erholt.

Nach der ersten Tagesreise sollten wir auch Eilidhs Gastfreundschaft erfahren. Wir fanden uns in einem Teil des Waldes wieder, der unberührt und friedlich schien, selbst die Tiere wagten es hier nicht, ihren Jagdtrieben nachzugehen, das war deutlich zu spüren. Nie war hier ein Tropfen Blut vergossen worden. Unser Weg führte vorbei an der Wohngrotte der Seherin, und begleitet waren unsere Schritte von unzähligen Tierrufen. Hier brüllte ein Bär, dort heulte ein Wolf, da rief ein Käuzchen aus dem üppigen Grün. Und irgendwann ragte er vor uns auf, ein riesiger Steinbogen, sorgsam gepflegt und von langsam verblassenden Runen übersäht. Ein Tor, das uns zum eigentlich heiligen Ort in diesem Teil des Waldes führte: Hón’en Taure, so nennen ihn die Elfen. Ich weiß nicht, was es genau bedeutet, aber es brauchte auch keine Worte, um zu spüren, dass dieser Ort, ein Kesselförmiger Versammlungsplatz, heilig war, ja, gar heiliger als der Hain unserer Wälder, wenn das irgendwie möglich war. Jahrtausende alt, geheimnisvoll und mystisch.

Man empfing uns in aller Feierlichkeit, rechts und links hinter dem Bogen, standen die Elfen Spalier, und weiter hinten, an einer monumentalen Statue erwartete uns Eilidh. Ja, sie entschuldigte sich gar noch dafür, dass sie uns an diesem Ort kein Fest bieten konnte – als wäre allein der Anblick und die Ehre ihn sehen zu dürfen nicht schon Fest genug. Und das war nicht alles. Sie erzählte von Elfen und Menschen, die schon immer die Ferne von der Stadt suchten, die sich in die Wälder zurückzogen, um hier ihr Leben zu verbringen und zu sterben. Und von den Dingen, die sie hinterließen. Ein paar dieser Dinge übergab sie an uns. Ein Schwert für Dschadir, eine Schwertscheide für Aurelian, ein Buch für Monoe. Mir vertraute sie einen wundersamen Handschuh an, den ich seit dem stets bei mir trage.

Wir wechselten ein paar Worte, über Dardan, Aonghus, Delbras, den Hain und den Wald, und dann ließen wir ihr Ruhe, um sich von all den Ereignissen zu erholen. Wir selbst schlugen unser Nachtlager auf, Miranda und ich etwas abseits, um die anderen nicht zu stören, während wir noch lange grübelten und philosophierten, und uns flüsternd von dem berichteten, was uns widerfahren war, bis wir irgendwann im Schein des kleinen Feuers einschliefen, ich für meinen Teil selig darüber, Miranda wohlbehalten wieder an meiner Seite zu wissen.

 

Heilige Wälder

 

 

Epilog

 

Wieder zurück in Fürstenborn, erscheint Delbras wie eine weit entfernte Erinnerung. Und noch immer beschäftigen mich Fragen, hin und wieder, in ruhigen Momenten, wenn ich an einem regnerischen Tag im Laden sitze, und der ein oder andere Kunde die ersten Seiten dieses Reisetagebuches überfliegt. Viel ist inzwischen passiert, viele Zehntage sind ins Land gegangen, Doireann haben wir nicht mehr getroffen. Und auch Gyneth hat sich in ihre Studierstube zurückgezogen. Ich denke ich werde sie die Tage aufsuchen, und wer weiß, vielleicht können einige Fragen noch geklärt werden, die bisher im Dunkeln blieben. Ein Gefühl nagt an mir, dass dies nicht das letzte war, was wir von den Ruinen in den Wäldern hörten. Ich hoffe nur, es wird nie wieder jemand versuchen in Dardan Selterins Spuren zu wandeln und Illusionen erschaffen, um ihnen unwirkliches Leben einzuhauchen. Letzten Endes war er nur ein verbitterter, alter Mann, der den Weg verlor, um die Fehler seiner Vergangenheit wieder zu richten. Unglücklicherweise ein verbitterter, alter Mann mit zu viel Macht in seinen Händen, der nicht akzeptieren wollte, dass man die Vergangenheit ruhen lassen soll – auf immer und ewig.

 

 

 

 

Miranda Sturmwind – Monoceros (Plotidee und -leitung)

Dschadir BlackMerlin

Monoe von der Morgenroete – dunkelgelb

Aurelian Peritus – Innomineterra

Fina von Gareth – Greifenopfer

Margali Faeryllian – Cherakleia